Schloss Heiligenberg
Schloss Heiligenberg

Schloss Heiligenberg steht östlich von Jugenheim, einem Ortsteil von Seeheim-Jugenheim, etwa zwölf Kilometer südlich von Darmstadt, direkt östlich des Heiligenberges (209 m ü. NHN)[1], von dem man einen weiten Blick über die Rheinebene von der Pfalz bis hinüber zum Taunus hat.

Schloss

Schlossansicht mit hessischem Wappen am Portal des Turmaufsatzes
Schlossansicht mit hessischem Wappen am Portal des Turmaufsatzes
Die Fürstliche Hessische Familie 1864 auf Schloss Heiligenberg
Die Fürstliche Hessische Familie 1864 auf Schloss Heiligenberg
Panoramaansicht des Schlosshofs
Panoramaansicht des Schlosshofs

Nach der Säkularisation 1803 und der Klärung von ausstehenden Pachten der Herren von Hausen gelangte der seit 1769 wieder landwirtschaftlich genutzte Heiligenberg 1811 in den Besitz des hessischen Hofkammerrats August Konrad Hofmann, der zwischen 1813 und 1816 am Fuße des späteren Marienberges einen landwirtschaftlichen Gutshof errichten ließ. Möglicherweise war bereits an diesen Planungen der Architekt und Darmstädter Hofbaudirektor Georg Moller beteiligt. Bei diesen Baumaßnahmen wurde gezielt auch nach Spuren älterer Besiedelung des Terrains Ausschau gehalten, was jedoch ohne Befund blieb und spätere Spekulationen über fränkische Gutshöfe an dieser Stelle damals schon ad absurdum führte.

Hofmann verkaufte das Gut 1827 an die damalige Erbgroßherzogin Wilhelmine von Hessen und bei Rhein, die es als Sommersitz nutzte. Als ihr Mann Ludwig nach dem Tod seines Vaters Großherzog wurde, standen ihr größere finanzielle Mittel zur Verfügung, mit denen sie das Gut ab etwa 1831 durch Georg Moller zu einem Schloss ausbauen ließ.

Später wurde Schloss Heiligenberg vom drittgeborenen Sohn des großherzoglichen Paars, Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein, und seiner morganatischen Ehefrau Fürstin Julia von Battenberg bewohnt, die es ab 1862 die nächsten fünf Jahre und dann weiter bis 1886 mehrmals aus- und umbauten – offenbar nach bereits 1846 entstandenen Plänen des inzwischen verstorbenen Georg Moller.

Alexander und Julia wurden die Begründer des Adelsgeschlechts Battenberg/Mountbatten. Auf Grund der weitreichenden dynastischen Verbindungen der Familie war das Schloss bis 1914 Mittelpunkt regelmäßiger Besuche des russischen Zarenpaars und Treffpunkt von Königen, Fürsten und Diplomaten. Die älteste Tochter der beiden, die 1852 in Straßburg geborene Prinzessin Marie Karoline von Battenberg, spätere Fürstin zu Erbach-Schönberg, schildert im ersten Band ihrer dreibändigen Autobiographie Entscheidende Jahre recht anschaulich das Leben auf dem Heiligenberg in dieser Zeit, die Besuche von Großfürsten und Kaisern oder die Einweihung des goldenen Kreuzes – aber auch den baulichen Wandel, den sie teilweise bedauerte.[2]

Hier wurde 1889 Prinzessin Louise von Battenberg, ab 1950 bis zu ihrem Tod 1965 Königin von Schweden, geboren.

1920 verkaufte Alexanders Sohn Prinz Ludwig Alexander von Battenberg (seit 1917 Louis Mountbatten, 1. Marquess of Milford Haven), nach seiner Entlassung aus der Royal Navy 1918 in finanzielle Schwierigkeiten geraten, das Schloss an zwei Investoren: Geheimrat Dr. Theodor Görges aus Berlin und dessen Schwiegersohn Heinrich Prinz von Hohenleuben,[3][4] bevor Mitte der 1930er Jahre angeblich zum Ausgleich von Steuerschulden der schon gleichgeschaltete hessische Staat Eigentümer wurde. Zuerst als nationalsozialistische BDM-Gauführerinnen- und Hauswirtschaftsschule genutzt,[5] diente das Schloss bis Kriegsende als Ersatzlazarett.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Umbau des Inneren beherbergte die Anlage jahrzehntelang verschiedene Fachschulen und Institutionen; zuletzt war es bis 2011 Sitz des Amtes für Lehrerbildung. Seit 2012 ist im Schloss ein Trauzimmer der Gemeinde Seeheim-Jugenheim eingerichtet. Der Gartensaal und der Schlosshof werden regelmäßig für Kunstausstellungen und Konzerte genutzt. Eine Stiftung hat das Schloss 2012 im Sinne der Denkmalpflege für Kunst und Kultur übernommen.[6] Seit 2014 wird hier auch die „Juremer Kerb“ eröffnet. 2015 fand zum ersten Mal ein Weihnachtsmarkt im Schlosshof statt.

Aktuell ist das Schloss im Eigentum des Landes Hessens. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg wollte ursprünglich bis 2016 eine Abteilung für Plastische Chirurgie des Kreiskrankenhauses Jugenheim einrichten. Dies hat sich jedoch als undurchführbar herausgestellt, da die technischen Anforderungen eines Operationssaals nicht mit dem Denkmalschutz des Gebäudes annähernd in Einklang gebracht werden konnten. Stattdessen soll nun eine Abteilung, die einer Arztpraxis ähnelt, eingerichtet werden.

Pädagogisches Institut Jugenheim

Von 1946 bis 1963 bestand im Schloss das Pädagogische Institut Jugenheim zur Volks- und Mittelschullehrerausbildung in Hessen, das Ende 1945 aus Darmstadt wegen der dortigen Raumnot ausgelagert worden war (daher auch PI Darmstadt-Jugenheim). Die US-Besatzungsmacht wollte möglichst schnell dem Lehrermangel begegnen und eine demokratische Lehrerbildung gewährleisten. Der prägende Leiter und Direktor bis 1961 war der Politologe Friedrich Trost, ein weiterer bekannter Professor Martin Wagenschein, der die idyllische Atmosphäre in seinen Erinnerungen beschreibt. Walter Asmus wechselte 1954 vom PI Weilburg hierher. Viele namhafte Gelehrte begannen ihre Karriere mit Lehraufträgen in Jugenheim: Heinz-Joachim Heydorn, Ludwig Neundörfer, Georg Geißler, Ernst Fraenkel. Zu den Studierenden gehörten Margarete Dierks, Norbert Groddeck, Ursula Wölfel. Das Schuldorf Bergstraße in der Nähe wurde vom Institut gegründet. Der letzte Direktor war der Philosoph und Erziehungswissenschaftler Hans-Michael Elzer, unter dem das Institut 1963 geschlossen wurde, nachdem die 1960/61 in Frankfurt am Main gegründete Hochschule für Erziehung (HfE) die Ausbildung für die Lehrämter an Volks- und Realschulen übernommen hatte. Die HfE wurde 1967 als Abteilung für Erziehungswissenschaft (AfE) in die Goethe-Universität Frankfurt integriert.

Umgebung

Kreuz, Mausoleum und Centlinde sind nur nach Voranmeldung zu besichtigen.[9]

Das Schloss liegt inmitten des Natura 2000-Schutzgebietes „Kniebrecht, Melibocus und Orbishöhe bei Seeheim-Jugenheim, Alsbach und Zwingenberg“ (FFH-Gebiet 6217-305).[10]

Regelmäßige Veranstaltungen

Einzelnachweise

  1. Heiligenberg, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 17. Februar 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 15. Juni 2014.
  2. Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg Prinzessin von Battenberg: Entscheidende Jahre. 1859–1866–1870. Aus meiner Kindheit und Mädchenzeit. Zweite Auflage. Verlag der „Litera“-A.-G., Darmstadt 1923.
  3. Prinz Heinrich XXXI. Reuß zu Köstritz (1868–1929) war ein Sohn des Prinzen Heinrich LXXIV. Reuß zu Köstritz. Als deutscher Diplomat war er 1910–1912 Botschafter in Indien (Neu-Delhi) sowie 1912–1916 Gesandter im Iran (Teheran). Er war 1918 bis 1929 in morganatischer Ehe verheiratet mit Ilse Marie Görges, Tochter von Theodor Görges und Ilse Kunheim, und führte seit dieser Heirat den Titel Prinz von Hohenleuben. Siehe auch Stammliste Haus Reuß
  4. Günter Baisch, Claudia Schäfer: Jugenheim – Der Heiligenberg und die Battenberger. 2008, S. 37.
  5. Fotoalbum vom Juli 1934, HStAD Bestand R 4 Nr. NACHWEIS
  6. Schloss Heiligenberg öffnet sich. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Mai 2013, S. 48.
  7. Ompteda: Rheinische Gärten
  8. HStAD, A 1, 101/1: Urkunde vom 20. September 1493: Heiligenberg (Kloster): Präsentation des Eberhard Scheubel zum Pfarrer im Kloster Heiligenberg bei Jugenheim (Digitalisat im Archivinformationssystem Hessen)
  9. Eine Anmeldung kann über die Stiftung Heiligenberg Jugenheim erfolgen
  10. 6217-305 Kniebrecht, Melibocus und Orbishöhe bei Seeheim-Jugenheim, Alsbach und Zwingenberg. Natura 2000 - Verordnung FFH-Gebiete. Regierungspräsidium Darmstadt, 20. Oktober 2016, abgerufen am 28. Mai 2021.
  11. Conrad von Weinsberg 1368, Jugenheim. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650 (Stand: 27. April 2005). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 9. Oktober 2014.
  12. „Juremer Kerb“ startet auf dem Heiligenberg (Memento vom 1. Februar 2019 im Internet Archive) In: echo-online.de.
  13. Darmstädter Echo. 11. Dezember 2015, S. 18.

Literatur

Koordinaten: 49° 45′ 5″ N, 8° 38′ 51″ O